Island Wanderreise – Herbst.

Island / Südisland. – Eine geführte Wanderreise von Reykjavik bis Skaftafell.

Schon vor über einem Jahr haben meine Freundin und ich festgestellt, dass wir beide denselben Traum haben. Eine Wandertour durch Island. Nach allerlei Recherchen und mehreren Besuchen im Reisebüro stand dann schließlich fest, dass September unser Reisemonat sein sollte. Gebucht haben wir über TUI/ Wolters Reisen (https://www.tui-wolters.de/). Es sollten uns 8 Tage voller überwältigender (und fast schon surrealer!) Eindrücke erwarten – eine Reise zwischen Feuer und Eis.

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Tag 1. – Anreise/ Reykjavik. Am ersten Tag kamen wir nach 3,5 h Flug (inkl. 2 Stunden Zeitverschiebung) von Frankfurt a.M. Flughafen endlich in Keflavik an. Nach einem Transfer zu unserer Unterkunft in der Hauptstadt Reykjavik, haben wir uns zügig auf den Weg in die Innenstadt gemacht. Leider war es Sonntagabend, sodass nicht mehr vieles an Geschäften geöffnet hatte. Allerdings boten schon die Auslagen in den Schaufenstern einen ersten Eindruck vom nordischen Leben & Wohnen.

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Das Zentrum von Reykjavik ist geprägt von einer bunten, belebten & künstlerischen Innenstadt. Neben farbigen, mit Wellblech verkleideten Häusern & Malereien an den Hauswänden, findet man zum Beispiel auch hellblau bemalte Fahrräder, kohlartige Blumen in Pflanzenkübeln uvm. Auch kulinarisch wird viel geboten – beispielsweise ein Chuck Norris Burger Restaurant, eine Whiskeybar & landestypisches Essen mit „Gammelhai“ und (zum Nachspülen) den Branntwein Brennivin, auch bekannt als „Black Death“. Am ersten Tag hatten wir leider nicht viel Zeit – die Erkundung der Stadt haben wir daher auf den letzten Tag verschoben. Als abendliches „Highlight“ haben wir noch eine schwefelige Dusche im Hotel genommen – durch die Nutzung von geothermalem Wasser, kann es aus dem Wasserhahn auch schon mal nach faulen Eiern müffeln.

Tag 2. – An Tag 2 begann dann unsere geführte Rundreise. Unser Guide war Anna Laura, eine Isländerin, die deutsch sprach & viel über Land und Leute zu berichten wusste. Mit uns waren noch 3 weitere Mitreisende unterwegs, sodass die Gruppe eine angenehme Größe hatte. Los ging es also mit unserem Gelände-Bus zum ersten Stopp, dem Thingvellir Nationalpark. Dieser war früher die Stätte des ehemaligen Parlaments der Wikinger und ist heute Teil vom UNESCO Welterbe. Hier treffen übrigens die amerikanische und die eurasische Erdplatte aufeinander – an dieser Stelle „wächst“ Island also jedes Jahr ein Stückchen mehr.

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Weiter ging es dann zum geothermalen Gebiet Haukadalur/ Geysir. Hier dampft & brodelt es überall. Bei der Kälte möchte man am liebsten in so eine „Badewanne“ hüpfen – leider sind diese gesperrt, da die Temperaturen bis zu 100°C betragen können. Beobachten kann man hier einen Geysir, welcher etwa alle 4 Minuten aktiv ist und in die Höhe schießt.

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Next stop: Gullfoss, der „Goldene Wasserfall“. Hier stürzt über verschiedene Ebenen eine gigantische Menge Wasser in die Tiefe. Durch die kleinen Wassertröpfchen in der Luft kann man bei Sonnenschein den einen oder anderen wunderschönen Regenbogen beobachten.

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Das Wetter wechselt hier gefühlt jede Stunde, sodass man an einem Tag Sonne, Regen, Wind & Schnee haben kann. Nach dem einen oder anderen Wetterwechsel waren wir also froh über eine heiße Schokolade & zum Tagesabschluss über das heiße Bad in der Geothermallagune Fludir. Heiße Natur-Bäder nennt man hier auch gerne „Hot Pot’s“. In diesen kann man gut und gerne eine Weile seine Zeit vertreiben…

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Tag 3. – Von unserer Unterkunft in Hella aus ging es am nächsten Morgen nach Landmannalaugar. Dieses Gebiet bietet allerlei Farbspektren – neben grünen, bemoosten Abschnitten, präsentiert sich die Gegend vor allem durch rotes Rhyolthgestein & gelbliche Schwefelfelder. Die Wanderung führte vorbei am Vulkan Hekla und über den Brennisteinsalda Vulkan.

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Nach 300 Höhenmetern haben wir bei Eisregen den Gipfel erreicht und uns dann wieder auf den Weg ins Tal gemacht. Da dies ebenfalls geothermales Gebiet ist, riecht es stark nach Schwefel & aus vielen Löchern im Boden steigt heißer Dampf auf. Daher sollte man unbedingt immer darauf achten, wohin man tritt. Der Rückweg führte durch die Graenagil Schlucht, die sogenannte „Grüne Schlucht“. Das grüne Gestein am Schluchtausgang hat diesem Ort seinen Namen verliehen. Den krönenden Abschluss stellte ein heißes Bad im geothermalen Fluss dar. Ein bisschen Mut & Überwindung mussten wir schon aufbringen, da der etwa 300m lange Zuweg von den Umkleideräumen bis zum Fluss im Bikini bei eiskaltem Regen zurückgelegt werden musste. Nicht zu vergessen auch wieder der Rückweg zum Bus… Es hat sich dennoch gelohnt.

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Auf dem Rückweg zur Unterkunft konnten wir noch eine Stelle bewundern, an der Süßwasser auf Salzwasser trifft. Genau dort sah man eine Kante im Wasser, die sich zwischen türkisfarbenem Süßwasser und weißlichem Salzwasser gebildet hat. Nach unserem letzten Stopp am „doppelten Wasserfall“ Hjalparfoss, ging es zurück zur Unterkunft. Gewohnt haben wir in urigen Holzhäuschen, in denen wir es uns abends bei Tee & Pasta gemütlich machen konnten. Durch das Wohnen mitten in der Natur, konnten wir am späten Abend sogar ohne störende „light pollution“ ein Nordlicht beobachten (die Qualität ist so mittelmäßig – aber immerhin ist es mein erstes selbst geschossenes Polarlichtfoto!).

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Tag 4. – Unsere heutige Wanderung ging durch das Tal Thorsmörk. Mit Blick auf den mittlerweile sehr bekannten Vulkan Eyjafjallajökull (der übersetzt einfach „Insel-Berge-Gletscher“ bedeutet), welcher im Jahr 2010 den Luftverkehr durch eine Aschewolke lahmgelegt hat, führte die Wanderung durch eine herbstlich-bunte Landschaft. Satte Farben wie Grün, Rot & Gelb machten den Weg zu einem optischen Highlight. Unterwegs findet man viele spannende Pflanzen, wie z.B. den Arktischen Thymian. Und tatsächlich auch Blaubeeren – wie in Schweden. 🙂

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Der Aufstieg auf etwa 800m Höhe ist nicht ganz ohne und sicherlich nichts für schwache Nerven. Schwindelfrei sollte man sein und auch nicht allzu viele Probleme mit ungesicherten Abgründen haben. Solange man allerdings vorsichtig ist und jeden Schritt gewissenhaft setzt, ist es aber alles in allem zu schaffen – und am Ende wird man mit einem sagenhaften Ausblick belohnt. Gestärkt haben wir uns unter anderem mit Skyr, der isländischen, proteinreichen Milchspeise.

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Auf dem Rückweg zur Unterkunft haben wir noch an einem Gletscher mit sogenanntem „Toteis“ gehalten. Dies wird so genannt, wenn die Spitze der Gletscherzunge keinen Kontakt mehr zum eigentlichen Gletscher hat. Ein weiteres Highlight war noch der Wasserfall Seljalandsfoss, unter dem man hindurch laufen und auch von der Rückseite betrachten kann.

Tag 5. – Die Reise ging weiter Richtung Südosten, Ziel war das Gebiet Skaftafell. Ein besonderer Höhepunkt auf dem Weg dorthin war der Wasserfall Skogafoss, an dessen Klippen Schafe grasten. Unser Guide erzählte uns, dass sich viele Schafe für Ziegen halten und die steilsten Anhöhen erklimmen, sich aber nicht wieder herunter trauen würden. In solchen Fällen würde oft die Nachbarschaft zusammen getrommelt, um gemeinsam mit dem Besitzer eine Rettungsaktion zu starten.

Nächster Halt war ein Lavastrand, an dem es durch die überwiegend schwarzen und grauen Farbtöne recht surreal anmutete. Das ist sehr typisch für Island – jede Region sieht anders aus und das gibt einem das Gefühl, als würde man an wenigen Tagen mehrere verschiedene Länder bereisen.

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Ursprünglich wollten wir bis zu den Lakikratern im Hochland fahren. Doch auf dem Hinweg wurde die Straßensituation immer schlechter – dazu muss man sagen, dass es außerhalb der Ringstraße generell keine wirklich befestigten Straßen gibt. Schlaglöcher & Flussströmungen zwingen einen zu Schnelligkeiten von etwa 30km/h. Doch an dem Tag war es besonders schlimm – teilweise fuhren wir durch reißende Strömungen, sodass man sich gefühlt hat, als würde man in einem Boot sitzen, statt in einem Bus. Am Wasserfall Fagrifoss (der „Schöne Wasserfall“) war dann endgültig Schluss – die Weiterfahrt Richtung Lakikrater war durch Überschwemmungen und Sturm nicht mehr möglich. Also kehrten wir um.

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Die Natur auf Island ist unberechenbar. Umso glücklicher konnten wir uns schätzen, dass wir eine so erfahrene Einheimische mit an Bord hatten. Anna Laura hat uns dann kurzerhand ein Alternativprogramm geboten – Islandpferde (nicht Ponys!). Damit waren wir durchaus auch zufrieden. Insbesondere (das von uns getaufte Pferd) Waldemar hat sich liebend gern für uns in Szene gesetzt.

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Tag 5 beendeten wir mit einem kurzen Abstecher zum Wasserfall Svartifoss (der „Schwarze Wasserfall“), welcher von schwarzen Basaltsäulen umgeben ist. Diese sehen zusammen aus, wie eine gigantische Orgel mit Flöten. Zudem durften wir eine landestypische Frucht probieren – die Steinbeere, welche gerade zu der Zeit dort wuchs.

Tag 6. – Die Gletscherwanderung stand an – endlich! Bei prächtigstem Wetter sind wir, bewaffnet mit Steigeisen & Eispickel, über den Gletscher Svinafellsjökull gewandert. Ein unglaublich atemberaubendes Erlebnis. Die Gletscherzunge ist riesig und das weiße Eis ist durchzogen von schwarzer Vulkanasche. Absolut einmalig. Das Springen über Gletscherspalten muss man zwingend tolerieren können – das gehört zu dieser Tour einfach dazu. Kleiner Tipp: Nicht nach unten schauen. 🙂

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Wir wussten alle nicht, was das Ziel dieser Wanderung sein würde – aber dafür war die Überraschung umso größer, als wir nach etwa 2 Stunden eine Eishöhle erreichten. Mitten im Gletscher, ganz versteckt, funkelte dieses Naturschauspiel in den schönsten Blau- und Türkistönen. Traumhaft! Wir haben erfahren, dass sich die Höhle täglich verändert und vielleicht wenige Tage später schon vollständig geschmolzen sein könnte. Umso aufregender, dass wir sie noch erleben durften.

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Der Abschluss dieses ohnehin schon ereignisreichen Tages war dann der Besuch der Gletscherlagune Jökulsarlon. Teile des Gletschers brechen immer wieder von der Gletscherzunge ab, welche in die Lagune ragt. Diese hellblauen Bruchstücke schwimmen dann über die Lagune bis ins offene Meer. Skurril, wie die blauen Eisblöcke am schwarzen Lavastrand liegen und dann ins Meer weiter schwimmen. Ab und zu sieht man dort auch Seehunde, die ihre Nase an die frische Luft halten.

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Zum Schluss haben wir noch eine Zodiac-Fahrt über die Lagune gemacht. Es gibt auch „normale Touristenboote“, aber für wen es ein bisschen mehr Spaß und Action sein darf, der entscheidet sich lieber für die Zodiac-Fahrt. Eine grandiose Tour bis zum Ende der Gletscherzunge – genau dorthin, wo die hellblauen Eisblöcke in die Lagune gelangen. Aufgrund der Turbulenzen haben wir dort keine Fotos gemacht – im Kopf habe ich aber einmalige Bilder gespeichert.

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Nach einem (reichlich teuren) Bier, gebraut aus Gletscherwasser des Vatnajökull-Gletschers & verfeinert mit Artischem Thymian, haben wir uns völlig überladen mit Eindrücken schnell ins Land der Träume verabschiedet.

Tag 7. – Rückreise von Skaftafell nach Reykjavik. Es ging also wieder zurück zu unserem Ausgangspunkt. Für diesen Nachmittag blieb noch die Zeit, die Hauptstadt etwas mehr zu genießen.

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Ein absolutes Muss ist ein Besuch im Café Haiti (Café Haiti on Facebook). Dieses Café befindet sich direkt am Hafen, in den türkisfarbenen Hafenhäusern. Dieses Stückchen Karibik ist gerade hier etwas besonderes. Das Lokal wird geführt von einer Haitianerin, die ausgewandert ist und sich mit diesem Café selbstständig gemacht hat. Eine wirkliche Bereicherung für Reykjavik.

Wir haben dort einen tollen Kaffee genossen & uns einen Brownie gegönnt. Die Besitzerin wirbt selber mit den Worten „Best Coffee in Iceland“ – das Café muss man einfach besucht haben, wenn man dort ist: http://cafehaiti.is/

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In der Stadt gab es auch noch einen „versteckten“ kleinen Hot-Dog-Stand, welcher (laut unserem Guide) ein absoluter Geheimtipp wäre. Als wir dort ankamen, gab es aber eine meterlange Warteschlange – diesen Tipp hatten wohl auch viele andere erhalten. Wer ein wenig Zeit mitbringt, kann sich hier angeblich den „besten Hot-Dog Islands“ holen. Das Fleisch ist, wie bei den meisten Gerichten hier, vom Lamm.

Um unser letztes Münzgeld loszuwerden, sind wir noch ins tolle Café Sandholt (Sandholt Reykjavik on Facebook) gegangen & haben es uns bei einer schönen Tasse heißer Schokolade noch gemütlich gemacht.

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Am nächsten Tag ging es schon wieder zurück nach Deutschland.

Unser Fazit: Island ist absolut mehr als nur eine Reise wert. Wir werden wiederkommen – und dann den Norden unsicher machen.

(Hier noch zwei landestypische Spezialitäten – Gammelhai & zum Nachspülen den Branntwein Brennivin, auch bekannt unter „Black Death“)

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