Schwedisch Lappland – Winter.

Schwedisch Lappland/ Kiruna/ Paksuniemi. – Februar/März 2017. Letztes Jahr, zur gleichen Zeit, waren wir in Norwegen unterwegs & haben in der verschneiten Küstenlandschaft rund um Tromsö die Nordlichter gejagt. Dieses Jahr sollte es wieder ganz weit in den Norden gehen – der Ort musste unbedingt über dem Polarkreis liegen & gute Chancen bieten, das grüne Naturschauspiel am Himmel bewundern zu können. Nach einiger Recherche fiel unsere Wahl schließlich auf die nördlichste Stadt Schwedens – Kiruna.

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Arktische Landschaften, eine zauberhafte Natur & ganz viel Ruhe. Es war absolut die richtige Wahl. Und um unser kleines „eisiges Abenteuer“ noch ein wenig besonderer zu machen, haben wir eine spezielle Unterkunft ausgewählt. Über Air B’n’B haben wir eine kleine Schwedenhütte gebucht – ohne fließend Wasser, ohne WC. Dafür mit ganz viel Charme, uriger Gemütlichkeit, einem Kamin & einer holzbefeuerten Sauna am Fluss. Bei zum Teil minus 25 Grad Celsius definitiv eine Herausforderung & ein unvergessliches Lebensgefühl zugleich.

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Die Einrichtung ist geprägt von viel Liebe zum Detail & großer Naturverbundenheit.

„Unsere“ besondere, schwedische Holzhütte liegt im Örtchen Paksuniemi, nahe Kiruna. Sie befindet sich auf dem privaten Gelände unserer Gastgeber Fredrik & Jessica und ist eines von drei Gästehäusern dort. Das Grundstück grenzt direkt an den Torne Fluss, welcher zu dieser Jahreszeit komplett zugefroren ist und eine riesige Fläche für winterliche Spaziergänge bietet.

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Das Haus der Gastgeber Fredrik & Jessica.

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Unsere verschneite Schwedenhütte.

Es ist zunächst gewöhnungsbedürftig ohne fließend Wasser und Wasserklosett zurecht zu kommen. Mal eben Hände waschen? Mal eben Nudeln kochen? Wo putze ich mir eigentlich die Zähne? Alles nicht so einfach. Aber genau das machte den Reiz für uns aus.

In der Hütte gibt es mehrere Wassertanks mit frischem Wasser. Dieses kann man nutzen, um Essen zu kochen, Geschirr in einer Schüssel abzuwaschen oder für die schnelle Morgentoilette. Es empfiehlt sich dabei, eine Schüssel mit „Waschwasser“ (Seife, Spülmittel etc.), eine Schüssel mit klarem Spülwasser und einen „Abfall-Eimer“ zu haben. So konnten wir uns irgendwann sehr gut organisieren. Sogar das erste selbst gekochte Essen (traditionell: Spaghetti mit Tomatensoße) funktionierte gut & schmeckte am prasselnden Feuer des Kamins besonders lecker.

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Auf dem Kamin gibt es einen Metalltopf, in dem man, während das Feuer brennt, Wasser für den täglichen Gebrauch erhitzen kann. An den Halterungen darüber kann man gut Handtücher und verschneite Mützen trocken.

Und wie duscht man sich dort eigentlich? In der Hütte selbst ist das nur begrenzt möglich – ein Bad gibt es nicht. Höchstens in einer der Waschschüsseln könnte man es probieren. Hier ist das Leben anders – man wäscht sich tatsächlich in der Sauna!

Die Sauna befindet sich in einem schwedenroten, hölzernen Bootshaus direkt am Fluss. Etwa 1 Stunde, bevor man saunieren & baden will, muss man die Sauna „vorbereiten“. Was das heißt? Zunächst muss man Flusswasser holen. Und zwar aus einem Eisloch, welches man immer wieder frei brechen muss, da es über die Nacht gerne zufriert. Jessica erzählte uns, dass man von dem Flusswasser dort ganz besonders weiches Haar bekäme – na dann nichts wie ran! Aus dem Eisloch schöpft man mit Kellen & Eimern Wasser und bringt dieses zum Bootshaus. Anschließend wird der Kaminofen angefeuert. In einen Tank oberhalb des Ofens kann man Wasser füllen, welches sich nach einer Weile durch die Hitze des Feuers erwärmt.

Da es im Bootshaus keinen Strom gibt, muss man es sich abends mit vielen Kerzen gemütlich machen. In der Sauna kann man dann bei Aufgüssen entspannen & sich anschließend draußen bei arktischen Minusgraden abkühlen. Wer sich traut, kann sich dabei auch mutig in den Schnee legen. Ein echtes Erlebnis! Zum Schluss wäscht man sich dann mit einer Mischung aus dem heißen & dem eiskalten Flusswasser in der Sauna. Ist man fertig, sollte man sich bei diesen Temperaturen beeilen, zügig in die warmen Klamotten zu schlüpfen & sich in die kuschlige Hütte zu verkriechen. Unterwegs können einem nämlich schon mal die Haare anfrieren.

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Das Bootshaus mit Sauna (Blick vom Torne Fluss).

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Im Bootshaus/ Umkleidebereich vor der Sauna.

Was ich in Schweden auch ganz besonders genieße, ist das Einkaufen im Supermarkt – sobald ich die tollen Produkte dort sehe, fühle ich mich irgendwie heimisch. Schnell finden dann Mjölk (Milch), Smör (Butter), Köttbullar (Fleischbällchen), Softbröd (weiches Brot) & Co. ihren Weg in den Einkaufswagen. Und ein gemütliches Frühstück in unserer Hütte, mit Rührei & über dem Feuer gerösteten Brot war einfach nur herrlich.

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Selbst der einfache Granulat-Kaffee schmeckt in so einer Atmosphäre wie ein Kaffee auf Hawaii 🙂

Von Paksuniemi aus kann man viel unternehmen. Lange Spaziergänge am und auf dem eingefrorenen Torne Fluss, Besuch des Icehotels in Jukkasjärvi, Tagesausflug nach Abisko oder eine Elch-Pirsch Richtung Nikkaluokta.

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Eingefrorener & verschneiter Torne Fluss, direkt am Grundstück.

Paksuniemi liegt nahe Jukkasjärvi, wo sich das berühmte Icehotel befindet. Dieses wird jährlich neu aus Eis & Schnee aufgebaut und beherbergt neben entsprechenden Hotelzimmern auch eine Icebar. Hier haben wir es uns nicht nehmen lassen, einen Cocktail aus einem Eisglas zu schlürfen. Um die Hotelzimmer & anderen Eis-Räume sehen zu können, muss man aber leider Eintritt bezahlen.

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Icebar im Icehotel.

Einen Tagesausflug haben wir zum Abisko Nationalpark gemacht (etwa eineinhalb bis zwei Stunden Autofahrt von Paksuniemi). Hier kann man den berühmten Wanderweg „Kungsleden“ beginnen, ein kleines Sami Dorf besuchen, eingefrorene Wasserfälle bewundern und in Björkliden für eine heiße Schokolade einkehren.

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Eisklettern an gefrorenen Wasserfällen im Abisko Nationalpark.

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Landschaften, wie gezeichnet – Strecke zwischen Kiruna und Abisko.

Eine unserer Lieblingstouren war aber die Fahrt nach Nikkaluokta. Warum? Weil man auf den etwa 60 Kilometern zwischen Kiruna und Nikkaluokta die meisten Elche in der Region sichten kann. Und was wäre typischer für Schwedisch Lappland? Wenn man wachsam schaut, entdeckt man einige dieser beeindruckenden Tiere zwischen den Bäumen – beim Entspannen, beim Fressen oder auf der Flucht vor uns. Und mit ein bisschen Glück sind die Fellnasen so nah an der Straße, dass man sie gut vor die Linse bekommt. Aber Vorsicht: Man sollte ihnen mit gewissem Respekt begegnen und nicht zu übermütig werden. Vor allem Mütter mit ihren Kälbern können einen durchaus argwöhnisch betrachten.

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Aber nicht nur Elche sind hier beheimatet – man kann auch Rehwild & Rentiere entdecken. Da Rentiere halbdomestiziert sind, wirken sie etwas zutraulicher & kommen auch schon mal näher an den Beobachter heran.

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Landschaft bei Nikkaluokta.
Mit etwas Fußweg kann man in der Gegend auch den höchsten Berg Schwedens, den Kebnekaise, sehen.

In Nikkaluokta lohnt es sich, in dem (einzigen) Restaurant dort einzukehren. Bei einem Kaffee & einer Waffel mit Moltebeermarmelade (cloudberry jam) kann man es sich in der gemütlichen Wärme gut gehen lassen.

Es lohnen sich aber auch Wanderungen und Ausflüge rund um Paksuniemi, um die arktische Landschaft von Schwedisch Lappland genießen zu können. Oft stapft man dabei durch Tiefschnee, daher empfiehlt sich sehr gutes Schuhwerk (und mit etwas Schnee im Schuh muss man durchaus leben können). Und manchmal können zwischen Nebel und purem Sonnerschein nur wenige Stunden liegen, sodass sich einem immer wieder sehr abwechslungsreiche Landschaften bieten.

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Zwischen den beiden Aufnahmen liegen etwa 2 Stunden.

Während der Wintermonate steht die Sonne auch tagsüber immer recht tief. Legt sich dann zusätzlich ein tiefer Nebel über die Landschaft, hält die Natur einmalige Szenen bereit.

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Schwedenhäuschen im Nebelschleier zur Blauen Stunde.

Die arktischen Temperaturen hatte ich ja bereits erwähnt – während unseres Aufenthalts lag der Rekord bei minus 25°C. Klar, dass man bei den Bedingungen etwas ungerne auf die „drytoilet“ geht oder sich nach der Sauna umzieht (man lernt, schnell zu sein). Aber diese Temperaturen gehören einfach zu Lappland dazu und sind auch das, was man erwartet, wenn man an eine Gegend „oberhalb des Polarkreises“ denkt. Was passiert denn eigentlich, wenn man dann kochend heißes Wasser in die Luft wirft? Mit etwas Glück, das hier:

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Gerne verbringt man bei der Kälte aber auch schöne Momente in ein Rentierfell gekuschelt und mit einer heißen Schokolade auf der eigenen Veranda. Oder man verkrümelt sich an den Kamin und schreibt seine ganzen beeindruckenden Erlebnisse nieder – ich habe dafür „Mein tolles neues Reise-Leben/ Reise-Tagebuch“ von Eine der Guten genutzt (https://www.eine-der-guten.de/einkaufen/index.php).

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Nicht zuletzt waren wir natürlich auch wegen IHR in Schwedisch Lappland – der Aurora Borealis. Die Nordlichter sind unberechenbar – und es hängt von so vielen Faktoren ab, ob man Glück hat welche zu sehen oder nicht. Die Sonnenaktivität, das Wetter, die Zeit. Und man benötigt unermüdliche Reisepartner, die auch bei der größten Kälte immer wieder draußen nachschauen gehen, wie es am Himmel so „aussieht“ & zur Not mit Kamera und Stativ durch den Tiefschnee rennen, nur um gute Aufnahmen zu bekommen. Und wir hatten Glück.

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Nordlicht an einem der Gästehäuser – als würde grüner Rauch aus dem Schornstein kommen.

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Polarlichter über unserer Schwedenhütte.

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Nordlichter im Wald.

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Sternenklarer Himmel über dem Torne Fluss.

Wir haben unsere „arktische Auszeit“ ganz besonders genießen können, da wir uns bei Fredrik & Jessica wie Zuhause fühlen durften. Wir haben mit ihnen wie auf einer Hofgemeinschaft zusammen gelebt, uns viel ausgetauscht & gelacht. Ihre junge Hündin Gördis ist ein kleiner Wirbelwind & kommt jeden Gast an seiner Hütte besuchen und sorgt für eine sehr familiäre Atmosphäre. Authentischer kann man seine Ferien in Schwedisch Lappland einfach nicht verbringen.

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An dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank an unsere perfekten Gastgeber für die unvergessliche Zeit, die wir bei ihnen erleben durften. Wir sind immer noch happy, dass wir zum Abschied sogar ein Gläschen frisch eingemachte Preiselbeeren & ein signiertes Foto von Fredrik bekommen haben (Fotografie by Fredrik Ludvigsson: http://www.fredrikludvigsson.com/). Wir kommen sehr gerne wieder!

Wer möchte, dem schicke ich gerne den Link zur Air B’n’B Unterkunft.

Weitere Landschaftsfotografie: Theresia K. on Instagram

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