Polarnächte Lofoten.

Lofoten/ Norwegen (Dezember 2017/ Januar 2018). – Eigentlich hatten wir ja bereits einen grandiosen skandinavischen Winterurlaub dieses Jahr. Und eigentlich ist es fast übertrieben, wieder in den Norden zu reisen. Eigentlich. Und überhaupt: Im Dezember nach Nordnorwegen fliegen? Da geht die Sonne doch gar nicht auf! Es herrscht Polarnacht. Wie ist das so? Und ehe man sich versieht, ist alles gebucht. Es soll zu den Lofoten gehen. Noch nie war ich so gespannt, wie dieses Mal – wird es die ganze Zeit über dunkel sein? Was macht man dann den ganzen Tag? Lohnt sich die Reise überhaupt? Fazit: Sie lohnt sich – und wie!

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Die Lofoten. Entweder hat man schon 1000x von ihnen gehört oder man kann gar nichts damit anfangen. Es handelt sich um eine Inselgruppe in Nordnorwegen, die sich oberhalb des Polarkreises befindet. Das heißt, wenn im Winter Polarnacht herrscht, dann geht dort die Sonne nicht mehr auf. Ist man genau auf dem Polarkreis, dauert diese Dunkelzeit 1 Tag lang. Je weiter nördlich, desto länger ist die Phase. Am Nordpol selbst ist sie sogar fast ein halbes Jahr lang. Wir sind nach Svolvær gereist – und hier verschwindet die Sonne Anfang Dezember und lässt sich erst wieder Anfang Januar blicken. Und dann Silvester dort verbringen? Das hat mich zunächst nervös gemacht. Sieht man dann überhaupt etwas? Das Spannendste für mich also – der erste Morgen vor Ort.

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Kein Sonnenaufgang, kein helles Licht, das langsam den Tag einläutet. Nein. Der Morgen beginnt mit einem klaren Hellblau und mischt sich mit einem Hauch von Rosa. Still liegt die Natur da. Und auf der Terrasse unseres norwegischen Fischerhäuschens genießen wir diesen ganz besonderen Anbruch des Tages. Es ist magisch.

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Man gewöhnt sich daran, dass der „Tag“ nur von 9.30 Uhr bis 15.00 Uhr dauert. Wenn der Himmel klar ist, gehen wir auf Tour mit unserem Mietwagen und erkunden die Umgebung. Durch die klirrende Kälte sind die Fjorde zum Teil zugefroren und präsentieren einmalige Formationen aus Eis. Immer wieder halten wir an und staunen über die Landschaft.

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Ein Ziel, das wir alle unbedingt sehen wollen – Hauklandstranda (Haukland Beach). Ein Surferparadies mit einer äußerst ungewöhnlichen Kulisse. Hohe, schneebedeckte Berge & die raue Natur. Dazu feiner, heller Sand und das Rauschen des Meeres. Im Sommer sieht das Wasser hier wohl karibisch aus. Ein wunderschöner Ort.

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Fest davon überzeugt, dass es auf den Lofoten weder Rentiere, noch Elche gibt, können wir unseren Augen nicht trauen, als plötzlich am Wegesrand eine kleine Elchdame auftaucht. So nah dran konnten wir diese Tiere noch nie beobachten. Sie ist neugierig, das verschafft uns Zeit für Fotos. Aber nach wenigen Minuten wird es ihr zu bunt und in ihrem staksigen Laufschritt eilt sie schließlich durch den Tiefschnee davon. Eine Begegnung für’s Herz.

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Die Abende brechen früh herein und somit verbringen wir auch gerne Zeit in unserer hyggeligen Hütte. Bei selbst gemachtem Glühwein-Tee oder heißer Schoki mit Schuss lässt es sich auch ganz gut aushalten. Gekocht wird eigentlich immer selbst – jeden Tag freuen wir uns auf unser Essen, bei dem wir in langer Unterhose am Tisch sitzen können. Candlelight-Dinner nach unserem Geschmack.

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Neben klaren Tagen hoffen wir natürlich auch täglich auf klare Nächte. Denn die Dunkelheit wird hier oberhalb des 66. Breitengrades mit ganz viel Glück von hellem, grünem Licht verjagt. Den Polarlichtern. Schon vertraut mit den nötigen Bedingungen und den ersten optischen Anzeichen am Himmel, starren wir ständig aus dem Fenster und halten Ausschau. Und dürfen uns schließlich über Wahnsinns-Formationen freuen. Wie ein Flaschengeist scheint das magische Licht aus dem Hügel empor zu steigen.

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Zum ersten Mal spiele ich etwas mehr mit meiner Kamera & der Langzeitbelichtung. Und ich stelle fest: Neben den Nordlichtern lohnt sich auch ein nächtliches Bild von dem Panorama vor unserem Fischerhäuschen. Spiegelung inklusive.

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Wenn es hier allerdings schneit, scheint es wirklich den ganzen Tag über dunkel zu bleiben. Die Wolken und dicken Schneeflocken verschlucken dann förmlich das bisschen Licht, was noch da ist. Aber auch das hat seinen eigenen Charme – kurz nach Weihnachten sind die norwegischen Häuser im typischen Falun-Rot hier nämlich noch festlich geschmückt und man fühlt sich wie in einem Weihnachtsdorf.

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Bei Schneefall ist der Sturm nicht mehr weit. Also ab an die Küste & die Wellen beobachten. Für mich einer der beeindruckendsten Momente dieser Reise – der Wind peitscht, die Wellen toben. Die Felsen wirken schwarz, daneben das petrolblaue Wasser. Über uns ist der Himmel dunkelgrau und am Horizont gibt es etwas Licht. Skurril.

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Und am nächsten Tag ist wieder alles vorbei. Der Wind hat sich zurück gezogen. Der Himmel ist klar. Die Natur hat Ruhe gefunden – und strahlt eine magische Erhabenheit aus. Von diesem Anblick kann man sich kaum trennen – aber der Tag ist kurz und wir wollen noch einen Berg besteigen, also geht es weiter.

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Ziel ist der Gipfel des Mannen – einem Berg am Haukland Beach. Der Aufstieg ist abenteuerlich und glatt. Bald stellen wir fest, dass es sicher besseres Schuhwerk für dieses Vorhaben gegeben hätte. Mühsam kämpfen wir uns hoch. Im Schnee ist es beschwerlich und bei meiner leichten Erkältung komme ich irgendwann an meine körperlichen Grenzen. Ich selber schaffe es daher nicht ganz nach oben, aber auch von meiner Position aus bekomme ich eine fantastische Aussicht geboten. Die Anstrengungen sind schnell vergessen. Zurück rutsche ich größtenteils auf meinem Allerwertesten den Berg hinunter & fühle mich wie ein kleines Kind. Herrlich.

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Neben Silvester feiern wir hier im hohen Norden auch meinen 30. Geburtstag, den ich so schnell nicht vergessen werde. Kuchen & Kerzen-Auspusten inklusive. Mein einmaliges Geschenk – eine Walsafari mit Sichtung eines riesigen Pottwals, die wir wenige Tage zuvor erlebt haben.

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Zum krönenden Abschluss speisen wir noch bei einem Glas Prosecco vorzüglichen Stockfisch (durch Trocknung haltbar gemachter Dorsch) in der Børsen Spiseri, der größtenteils erhaltenen, 1828 erbauten hölzernen Fischannahmestelle von Svolvær. Uriger & norwegischer geht es kaum. Und damit schließen wir einen unvergesslichen Urlaub glückselig & voller neuer Eindrücke ab.

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